

Nächtliche Bauchschmerzen – Was kann das sein, was kann ich dagegen tun?
Nächtliche Bauchschmerzen sind nicht nur sehr unangenehm, sondern behindern auch einen erholsamen Schlaf. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von falschen Ernährungsgewohnheiten über Stress bis hin zu Erkrankungen wie Reizdarm oder Sodbrennen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, durch was nächtliche Bauchschmerzen verursacht werden können und wie Sie diese Beschwerden lindern bzw. ihnen am besten ganz vorbeugen können.
Lesedauer: 10 min.
Hintergründe und Ursachen
Warum habe ich abends immer Bauchschmerzen?
Abendliche Bauchschmerzen können viele Ursachen haben. Oft sind sie ernährungsbedingt, zum Beispiel durch zu fettiges, schweres oder spätes Essen. Der Verdauungstrakt ist nachts weniger aktiv, und wenn er dann noch mit einer großen Mahlzeit überlastet wird, kann das zu Schmerzen und Krämpfen führen. Auch Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel (z. B. Laktose, Fruktose) können sich abends bemerkbar machen.
Ein weiterer häufiger Grund für nächtliche Bauchschmerzen ist Stress. Der Darm reagiert oft sensibel auf psychische Belastungen. Wenn Sie tagsüber viel Stress hatten, kann sich das abends in Form von Bauchschmerzen äußern, da der Körper in der Ruhephase versucht, die Anspannung zu verarbeiten. Auch das Reizdarmsyndrom ist eine häufige Ursache für wiederkehrende Bauchschmerzen, die sich oft abends oder nachts verstärken.
Mehr zum Thema Reizdarmsyndrom lesen Sie hier: Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom: Ursachen, Risiko- und Einflussfaktoren
Wie fühlen sich stressbedingte Bauchschmerzen an?
Stressbedingte Bauchschmerzen sind oft diffus, also nicht klar an einem Punkt lokalisierbar. Sie können sich unterschiedlich äußern, beispielsweise als Krämpfe, Brennen, Druckgefühl oder ein allgemeines Unwohlsein in der Bauchgegend. Manchmal gehen sie auch mit Blähungen, Durchfall oder Verstopfung einher. Charakteristisch ist, dass die Schmerzen in Stressphasen schlimmer werden und sich bessern, wenn man entspannt ist. Oft sind sie auch an die Psyche gekoppelt: Wer sich sorgt oder ängstlich ist, spürt die Schmerzen häufig stärker.
Wieso äußert sich Stress in Verdauungsbeschwerden? Lesen Sie hier: Psyche und Verdauung – Wie hängt beides zusammen?
Warum wache ich nachts mit Übelkeit auf?
Nächtliche Übelkeit kann ein Zeichen für verschiedene Verdauungsprobleme sein. Häufige Ursachen sind beispielsweise Reflux (Sodbrennen), bei dem Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt, besonders im Liegen. Auch eine Magenverstimmung durch verdorbene Lebensmittel oder sogar bestimmte Medikamente können Übelkeit in der Nacht auslösen.
Wenn sich Schmerzen und Übelkeit vor allem auf den Magen konzentrieren, ist dringend eine ärztliche Abklärung empfohlen. Sodbrennen, Entzündungen in der Magenschleimhaut oder eine Magen-Darm-Grippe können unbehandelt zu schweren Komplikationen führen und sollten daher immer einmal ärztlich untersucht werden.
In selteneren Fällen können auch ernstere Erkrankungen wie Gallensteine oder eine beginnende Blinddarmentzündung dahinterstecken – hier sind die Schmerzen jedoch meist sehr stark und treten plötzlich auf.
Was ist, wenn der Bauch hart ist und weh tut?
Ein harter, schmerzhafter Bauch kann ein Warnsignal sein und sollte unbedingt ernst genommen werden. In schweren Fällen kann ein harter Bauch auf eine Entzündung im Bauchraum hindeuten, wie zum Beispiel eine Blinddarmentzündung, eine Divertikulitis oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Bei sehr starken, plötzlich auftretenden Schmerzen und einem brettharten Bauch sollten Sie daher umgehend einen Arzt aufsuchen bzw. in ein Krankenhaus fahren.
Behandlung und Tipps zur Vorbeugung
Was tun bei nächtlichen Bauchschmerzen?
Wenn Sie nachts unter Bauchschmerzen leiden, gibt es einige Dinge, die Sie versuchen können, um die Schmerzen zu lindern:
- Wärme: Eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen auf dem Bauch kann krampflösend wirken und entspannen.
- Leichte Bewegung: Manchmal hilft es, langsam aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, um mögliche Blähungen zu lösen und den Darm zu beruhigen.
- Entspannung: Versuchen Sie, sich bewusst zu entspannen. Leichte Atemübungen oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Flüssigkeit: Ein Glas lauwarmes Wasser oder ein milder Kräutertee (z. B. Kamille, Fenchel, Anis) wirken beruhigend auf den Verdauungstrakt.
Bei stärkeren Krämpfen oder Schmerzen, können auch Schmerzmittel oder krampflösende Wirkstoffe Linderung verschaffen. Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen auch bei Bauchschmerzen. Bei Krämpfen kann alternativ auch der Wirkstoff Butylscopolamin ausprobiert werden. Diese Medikamente sind jedoch nur für die kurzfristige Anwendung bei leichteren Bauchschmerzen gedacht. Wenn die Schmerzen häufiger auftreten oder länger bestehen bleiben, suchen Sie lieber einmal einen Arzt auf, um der Ursache auf den Grund zu gehen.
Bei starken oder anhaltenden Schmerzen, Fieber, Erbrechen oder Blut im Stuhl ist es ratsam, umgehend eine Arztpraxis oder Klinik aufzusuchen.
Wie kann man am besten bei Bauchschmerzen schlafen?
Die richtige Schlafposition kann bei Bauchschmerzen tatsächlich einen Unterschied machen:
- Fötusstellung: Viele Betroffene empfinden es als angenehm, sich in der sogenannten Fötusstellung zusammenzurollen, da dies den Druck auf den Bauch reduziert.
- Auf der linken Seite und erhöht schlafen: Menschen mit Sodbrenne hilft es häufig auf der linken Seite bzw. bei leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen, da in dieser Position der Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre etwas erschwert ist.
Damit es gar nicht erst zu nächtlichen Bauchschmerzen kommt, können Sie außerdem noch einige vorbeugende Maßnahmen ausprobieren: - Späte und schwere Mahlzeiten vermeiden: Essen Sie abends am besten leichte Kost und geben Sie Ihrem Verdauungssystem vor dem Schlafengehen ausreichend Zeit zur Verarbeitung der Speisen. Mindestens 2-3 Stunden Pause zwischen letzter Mahlzeit und Schlafengehen sind ideal.
Sie brauchen etwas Anregung? Lesen Sie hier: Ernährung bei empfindlichem Verdauungstrakt: Tipps und Rezepte - Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, spezielle Muskelentspannungsübungen oder Atemübungen können dabei helfen, Stress abzubauen. Versuchen Sie herauszufinden, was Sie am besten entspannt – manche Betroffene bauen Stress am effektivsten durch Bewegung ab, andere durch ein heißes Bad am Abend oder ein spannendes Buch.
-Ernährungstagebuch: Wer häufiger unter Verdauungsbeschwerden leidet, kann auch ein sogenanntes Ernährungstagebuch ausprobieren. Durch das Aufschreiben von Symptomen, Mahlzeiten und Besonderheiten im Alltag können Sie mögliche Auslöser für Ihre Bauchschmerzen identifizieren und dann gemeinsam mit Ihrem Arzt besprechen. - Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ideal sind 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt, bevorzugt Wasser oder ungesüßter Tee.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität fördert eine gesunde Verdauung und kann außerdem Stress reduzieren.
Wie können Sie noch Ihre Verdauung anregen? Lesen Sie hier: Verdauung anregen so unterstützen Sie Ihren Verdauungstrakt
Nächtliche Bauchschmerzen – die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick
Leichtere Bauchschmerzen treten im Alltag relativ häufig auf und sind in der Regel harmlos. Manche Menschen reagieren sensibel auf Stress, ungewohntes Essen oder andere Umstellungen im Alltag. Das kann sich oftmals durch Bauchschmerzen äußern, muss aber in den allermeisten Fällen nicht ärztlich behandelt werden.
Wussten Sie schon, dass Pfefferminze bei Verdauungsbeschwerden hilft? Lesen Sie hier: Pfefferminze bei Verdauungsbeschwerden und Reizdarm: Wirkung und Anwendung
Bei sehr starken Bauchschmerzen oder -krämpfen, die plötzlich auftreten, oder bei begleitendem Fieber, anhaltendem Erbrechen, Blut im Stuhl oder einem harten, brettharten Bauch sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen bzw. in eine Klinik fahren.
Auch, wenn die Schmerzen immer wiederkehren oder Ihre Lebensqualität dadurch stark beeinträchtigen, ist ein Arztbesuch ratsam.Gegen Bauchschmerzen am Abend helfen vor allem Wärme (z. B. mit einer Wärmflasche) oder ein Kräutertee (z. B. Pfefferminz, Kamille, Fenchel, Anis). Außerdem sollten zu späte Mahlzeiten möglichst vermieden werden. Versuchen Sie lieber, sich vor dem Schlafengehen zu entspannen, zum Beispiel mit Atemübungen, und als Abendessen vor allem leichte, gut verdauliche Mahlzeiten zu sich zu nehmen.
Wenn Sie fast jeden Tag Bauchweh haben, sollten Sie die Beschwerden einmal ärztlich abklären lassen. Eine häufige Ursache für chronische oder wiederkehrende Bauchschmerzen ist das Reizdarmsyndrom. Diese Erkrankung kann sich bei Betroffenen auf viele unterschiedliche Arten äußern. Manche leiden vor allem unter Bauchschmerzen und Durchfall, andere wiederum haben eher mit Verstopfung und einem unangenehmen Völlegefühl zu kämpfen.
Andere Ursachen können Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Laktose, Fruktose, Gluten) und chronischer Stress sein. In manchen Fällen kann auch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) hinter den nächtlichen Schmerzen stecken.

Dr. med. Jörg Zorn, Medizinjournalist
Studium:
Universitätsklinik Marburg
Ludwig-Maximilians-Universität in MünchenAsklepios Klinik St. Georg, Hamburg
Medizinischer Chefredakteur im wissenschaftlichen Springer-Verlag

Dr. med. Monika Steiner, Medizinjournalistin
Studium:
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn-Universität in MünchenBerufliche Stationen:
Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung

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